Der Solarboom bringt neue Risiken: 2025 verzeichnete Deutschland 573 Stunden mit negativen Strompreisen – ein neuer Rekord. Das geplante Netzpaket der Bundesregierung verschärft die Lage zusätzlich. Photovoltaik plus Speicher wird damit vom Rendite-Booster zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Die Photovoltaik boomt in Deutschland wie nie zuvor. Bis Juli 2025 wurden bereits 58,3 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt – ein Plus von 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (BDEW). Der Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung stieg im ersten Halbjahr 2025 auf rund 61 Prozent.
Doch mit dem rasanten Ausbau wachsen auch die Herausforderungen: Negative Strompreise und Abregelungen werden zum systematischen Risiko für Anlagenbetreiber. Für Investoren in PV-Direktprojekte stellt sich zunehmend die Frage: Ist Photovoltaik ohne Batteriespeicher überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll?
in 2025
am Day-Ahead-Markt
Kapazität in 2025
573 Stunden ohne Vergütung – das neue Normal
Die Photovoltaik-Erzeugung folgt einem klaren Muster: Die höchste Produktion findet in den Mittagsstunden statt – genau dann, wenn auch die meisten anderen Solaranlagen einspeisen. Die Folge: Strompreise fallen oder werden sogar negativ.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2025 verzeichnete Deutschland insgesamt 573 Stunden mit negativen Strompreisen – ein Anstieg von rund 25 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024 mit 457 Stunden. Bereits Ende August war der Vorjahresrekord eingestellt.
Besonders drastisch zeigt sich die zunehmende Volatilität am Day-Ahead-Markt: Am 11. Mai 2025 fiel der Börsenstrompreis um 13 Uhr auf −250 Euro pro Megawattstunde – während am 20. Januar desselben Jahres ein Höchstpreis von +583 Euro pro Megawattstunde erreicht wurde. Diese Spreizung von über 800 Euro pro Megawattstunde verdeutlicht das Marktumfeld, in dem PV-Anlagen heute operieren.
Batterien sichern Cashflow und steigern Rendite
Genau hier setzen Batteriespeicher an. Sie entkoppeln die Erzeugung von der Vermarktung: Solarstrom wird in Niedrigpreis- oder Negativphasen zwischengespeichert und erst bei höheren Marktpreisen – typischerweise morgens und abends – ins Netz eingespeist. Das vermeidet nicht nur Erlösausfälle, sondern schafft zusätzliche Gewinnmöglichkeiten durch gezielte zeitliche Optimierung der Einspeisung.
In der Praxis funktioniert das über sogenannte Co-Location-Speicher: Grünstromspeicher, die direkt am Standort der PV-Anlage installiert sind und über Optimierungsalgorithmen gesteuert werden. Bei niedrigen oder negativen Strompreisen wird der PV-Strom in die Batterie geladen statt eingespeist. Bei hohen Preisen entlädt der Algorithmus die Batterie und verschiebt die Einspeisung in profitable Zeitfenster.
Auch große Energiekonzerne folgen diesem Trend: EnBW stattet seit Herbst 2023 alle neuen Solarparks standardmäßig mit Batteriespeichern aus und prüft die Nachrüstung bestehender Anlagen. Die Strategie ist klar: Überschüssige Solarenergie zwischenspeichern und bedarfsgerecht einspeisen – weniger Abschaltungen, stabilere Erträge.
Netzpaket 2026: Regulierung belohnt PV plus Speicher
Seit Februar 2026 verschärft sich das regulatorische Umfeld für reine PV-Anlagen ohne Speicher zusätzlich. Der Referentenentwurf zum geplanten Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums sieht einen sogenannten Redispatchvorbehalt vor: Verteilnetzbetreiber könnten künftig besonders belastete Netzgebiete als kapazitätslimitiert ausweisen – und im Falle der Abregelung keine Entschädigung mehr an Anlagenbetreiber zahlen.
✅ PV + Co-Location-Speicher
- Gilt als „netzneutral“ laut Netzpaket-Entwurf
- Regulatorische Erleichterungen vorgesehen
- Abgeregelter Strom wird aufgefangen und zeitversetzt eingespeist
- Nutzt bestehende Netzanschlusskapazität
- Profitiert von Außenbereichsprivilegierung (EnWG-Novelle 2025)
⛔ Reine PV ohne Speicher
- Kein Schutz vor entschädigungsloser Abregelung
- Vergütungsausfall bei negativen Strompreisen
- Keine Möglichkeit zur zeitlichen Einspeiseverschiebung
- Finanzierbarkeit zunehmend schwieriger (laut BSW-Solar)
- Potenziell vom Baukostenzuschuss betroffen
Hinweis: Der Netzpaket-Entwurf ist noch nicht Gesetz. Der Widerstand von Erneuerbaren-Verbänden (BSW-Solar, bne, BEE) und dem Koalitionspartner SPD ist erheblich. Die dargestellte Privilegierung von Co-Location-Speichern ist jedoch bereits im Referentenentwurf enthalten.
Marktdynamik: PV plus Speicher werden zum Standard
Die Rahmenbedingungen für Speicher verbessern sich kontinuierlich. Im November 2025 brachte eine EnWG-Novelle Erleichterungen: Batteriespeicher ab einer Megawattstunde Kapazität profitieren seither von einer Außenbereichsprivilegierung und es wird ihnen ein überragendes öffentliches Interesse zugesprochen – das beschleunigt Genehmigungsverfahren erheblich.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Großbatteriespeicher-Kapazität 2025 | 2,3 → 3,7 GWh (+60 %) | Fraunhofer ISE |
| Geplante Speicherprojekte (MaStR) | 11,5 GWh | Marktstammdatenregister |
| Anträge bei Netzbetreibern | > 650 Speicherprojekte | BSW-Solar |
| Batteriekostensenkung seit 2010 | > 75 % | BSW-Solar |
| Netzentgeltbefreiung für neue Speicher | 20 Jahre (IBN bis 2028) | EEG / EnWG |
| BNetzA-Genehmigungen Stromautobahnen 2025 | > 2.000 km | Bundesnetzagentur |
Speicher als Basis, smarte Vermarktung als Hebel
Die Frage im Titel lässt sich klar beantworten: Ja, PV plus Speicher ist die nächste Stufe von Direktinvestments – und entwickelt sich zunehmend zum Standard für wirtschaftlich optimierte Anlagen im gewerblichen Maßstab.
Die Fakten verdichten sich: 573 Stunden negative Strompreise in 2025, ein Solarspitzengesetz ohne Toleranzfrist, ein geplanter Redispatchvorbehalt ohne Entschädigung und Prognosen von bis zu 1.000 Negativpreis-Stunden bis 2030. Batteriespeicher lösen diese Probleme technisch – sie speichern Überschüsse und verschieben die Einspeisung in profitable Zeitfenster.
Gleichzeitig privilegiert der regulatorische Rahmen zunehmend die Kombination aus Erzeugung und Speicherung am selben Standort. Die Kombination aus sinkenden Batteriekosten, politischen Anreizen und steigender Strompreis-Volatilität macht integrierte Speicherlösungen wirtschaftlich immer attraktiver.
Für Investoren bedeutet das: Speicher sind kein Zusatz mehr, sondern zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Strategie. Sie schützen vor den Risiken negativer Preise, stabilisieren die Finanzierung und werden regulatorisch bevorzugt behandelt.
- Naturstrom/Bloomberg: 573 Stunden negative Strompreise 2025 (energiezukunft.eu, 06.01.2026)
- Enpal/energycharts.de: 389 Stunden negative Strompreise H1 2025 (01.07.2025)
- 1KOMMA5°/EPEX Spot: Rekordeinstellung 457 Stunden bis August 2025 (agrarheute.com, 01.09.2025)
- E-Bridge Consulting: Prognose bis zu 1.000 Stunden/Jahr bis 2030
- Fraunhofer ISE: Großbatteriespeicher-Kapazität 2,3 → 3,7 GWh in 2025 (energiezukunft.eu)
- Referentenentwurf Netzpaket, Bundeswirtschaftsministerium (Februar 2026)
- BDEW: 58,3 Mrd. kWh Solarstrom bis Juli 2025
- pv magazine: Rekord von 457 negativen Börsenstrompreisstunden (25.08.2025)