BESS – Battery Energy Storage Systems – sind das Rückgrat der flexiblen Stromversorgung. In Deutschland hat sich die Kapazität von Großbatteriespeichern allein 2025 um 60 Prozent auf 3,7 GWh erhöht, die Pipeline für 2026 umfasst weitere 3,4 GW. Wie BESS technisch funktionieren, wie sie Erlöse erwirtschaften und warum sie für Investoren zunehmend relevant werden.
Leistung Ende 2025
plan bis 2037
allein im Jahr 2025
Was ist ein BESS?
BESS steht für Battery Energy Storage System – auf Deutsch: Batterie-Energiespeichersystem. Es bezeichnet eine Anlage, die elektrische Energie in Batterien zwischenspeichert und bei Bedarf wieder ins Stromnetz einspeist. Im Kontext der Energiewende sind damit in der Regel Batteriegroßspeicher mit einer Leistung ab einem Megawatt gemeint – also keine Heimspeicher, sondern industrielle Anlagen in der Größenordnung mehrerer Schiffscontainer.
Ein typisches BESS besteht aus vier Kernkomponenten: den Batteriezellen (heute überwiegend Lithium-Eisenphosphat, kurz LFP), dem Batteriemanagementsystem (BMS), das Ladezustand, Temperatur und Zellbalancierung überwacht, den Wechselrichtern, die Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umwandeln, sowie der Vermarktungssoftware, die in Echtzeit entscheidet, wann der Speicher an welchem Markt eingesetzt wird.
Wie ein BESS Erlöse erzielt
Batteriegroßspeicher verdienen ihr Geld nicht durch die Erzeugung von Strom, sondern durch die zeitliche Verschiebung und die Bereitstellung von Flexibilität. Die Erlöse setzen sich dabei typischerweise aus zwei Hauptquellen zusammen: dem Arbitragehandel an den Spotmärkten und der Teilnahme am Regelenergiemarkt.
Arbitragehandel
Beim Arbitragehandel nutzt der Speicher die Preisdifferenz zwischen günstigen und teuren Stunden an der Strombörse. Er lädt in Phasen mit niedrigen oder negativen Preisen – typischerweise mittags bei hoher Solareinspeisung – und speist in Phasen mit hoher Nachfrage und hohen Preisen wieder ein. Die relevanten Handelsplätze sind der Day-Ahead-Markt der EPEX SPOT und der Intraday-Continuous-Markt. Letzterer bietet durch seine 15-Minuten-Handelsintervalle besonders große Preisschwankungen und damit höhere Spreads.
Regelenergie
Neben dem Arbitragehandel stellt die Regelenergie eine zweite, strukturell andere Erlösquelle dar. Hier wird der Speicher dafür vergütet, dass er Leistung vorhält, um die Netzfrequenz bei 50 Hz zu stabilisieren. Die drei Marktprodukte sind Primärregelleistung (FCR), Sekundärregelleistung (aFRR) und Minutenreserve (mFRR). Für BESS ist dabei die Sekundärregelleistung besonders relevant, da sie sowohl Leistungspreise für die reine Vorhaltung als auch Arbeitspreise bei Abruf zahlt.
Multi-Market-Strategie als Standard
In der Praxis operieren professionell vermarktete BESS nicht auf einem einzelnen Markt, sondern nutzen eine Cross-Market-Strategie. Ein Optimierungsalgorithmus entscheidet dabei für jeden Zeitblock neu, ob der Speicher am Day-Ahead-Markt, im Intraday-Handel oder in der Regelenergie eingesetzt wird – je nachdem, wo der höchste Erlös zu erwarten ist. Praxisdaten zeigen, dass diese Kombination die Erlöse gegenüber der Vermarktung auf einem einzelnen Markt um 35 Prozent und mehr steigern kann.
| Erlösquelle | Mechanismus | Charakteristik |
|---|---|---|
| Day-Ahead-Arbitrage | Kauf bei niedrigem Börsenpreis, Verkauf bei hohem Börsenpreis (24h voraus) | Planbar, moderate Spreads |
| Intraday-Arbitrage | Kurzfristiger Handel in 15-Min-Blöcken bis kurz vor Lieferung | Höchste Spreads, volatil |
| FCR (Primärregelleistung) | Symmetrische Leistungsvorhaltung für Frequenzstabilisierung | Stabiler Leistungspreis, geringe Zyklusbelastung |
| aFRR (Sekundärregelleistung) | Vorhaltung + Abruf bei Frequenzabweichung, positiv und negativ | Leistungspreis + Arbeitspreis, höchste Regelenergie-Erlöse |
| mFRR (Minutenreserve) | Aktivierung innerhalb von 15 Minuten bei größeren Netzabweichungen | Seltener abgerufen, ergänzende Erlösquelle |
| Cross-Market-Optimierung | Algorithmus wählt für jeden Zeitblock den profitabelsten Markt | +35 % Mehrerlös gegenüber Einzelmarkt |
Erlösdaten: Indikativ auf Basis von RWTH Aachen Battery Revenue Index, Regelleistung.net und Praxiswerten professioneller Vermarkter (Marktjahre 2024/25). Tatsächliche Erlöse hängen von Speicherdimensionierung, Vermarktungsstrategie und Marktbedingungen ab.
Der BESS-Markt in Deutschland: Zahlen und Dynamik
Der deutsche Großbatteriespeicher-Markt hat 2025 ein Rekordjahr erreicht. Laut Modo Energy wurden im Jahresverlauf rund 842 MW an neuer Speicherleistung in Betrieb genommen – eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Die gesamte installierte Großspeicherkapazität stieg laut Fraunhofer ISE von 2,3 auf 3,7 GWh. Insgesamt sind in Deutschland mittlerweile über 2,2 Millionen Batteriespeicher aller Größenklassen installiert, mit einer kumulierten Kapazität von rund 25,5 GWh – wobei der Großteil davon auf Heimspeicher entfällt.
Die Pipeline für die kommenden Jahre ist erheblich: Für 2026 und 2027 sind Projekte mit insgesamt 5,6 GW vorgemeldet. Bei den vier großen Übertragungsnetzbetreibern lagen zuletzt Netzanschlussanfragen für Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von über 720 GW vor – wobei nur ein Bruchteil davon realisiert werden wird, da viele Anfragen spekulativ oder mehrfach belegt sind.
BESS-Betriebsmodelle: Stand-Alone, Co-Location, Grün und Grau
Nicht jeder Batteriegroßspeicher ist gleich strukturiert. Für Investoren ist die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Aufstellungs- und Betriebsmodellen zentral, weil sie die Erlösstruktur, den Netzzugang und den regulatorischen Rahmen bestimmt.
| Modell | Aufstellung | Stromherkunft | Erlösprofil |
|---|---|---|---|
| Stand-Alone BESS | Eigener Netzanschluss, unabhängig | Ausschließlich Netzstrom | Volle Marktflexibilität: Arbitrage + Regelenergie in alle Richtungen |
| Co-Location – Grünstrom | Gemeinsamer Netzanschluss mit PV/Wind | Ausschließlich EE-Anlage | EEG-Förderung bleibt erhalten, eingeschränkte Marktflexibilität |
| Co-Location – Graustrom | Gemeinsamer Netzanschluss mit PV/Wind | Ausschließlich Netzstrom | Höchste Markterlöse, keine EEG-Förderung, bidirektionaler Netzanschluss nötig |
| Co-Location – Mischstrom (ab ~Mitte 2026) | Gemeinsamer Netzanschluss mit PV/Wind | EE-Anlage + Netzstrom | Kombination aus EEG-Förderung und Markterlösen, komplexes Messkonzept |
Im Kontext von PV-Direktinvestments sind insbesondere die Co-Location-Modelle relevant: Hier wird ein BESS direkt am Standort einer PV-Freiflächenanlage installiert und nutzt denselben Netzanschluss. Das spart Infrastrukturkosten, beschleunigt Genehmigungen und ermöglicht es, den erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu höheren Preisen zu vermarkten, statt ihn bei Überangebot abzuregeln oder zu Niedrigpreisen einzuspeisen.
Regulatorischer Rahmen für BESS in Deutschland
Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Batteriegroßspeicher haben sich 2025 und Anfang 2026 erheblich weiterentwickelt. Für Investoren sind drei Entwicklungen besonders relevant:
EnWG-Novelle November 2025
Seit November 2025 genießen Batteriespeicher ab einer Megawattstunde Kapazität eine eigenständige Außenbereichsprivilegierung im Baurecht. Ihnen wird zudem ein überragendes öffentliches Interesse zugesprochen. Das beschleunigt Genehmigungsverfahren und erleichtert die Standortsuche für neue BESS-Projekte.
Netzentgeltbefreiung
BESS, die bis Ende 2028 in Betrieb gehen, profitieren von einer 20-jährigen Befreiung von Netzentgelten. Dieser Vorteil reduziert die laufenden Betriebskosten erheblich und verbessert die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Stand-Alone-Speichern und Graustromspeichern, die Netzstrom beziehen.
MiSpeL – Mischstromspeicher ab Mitte 2026
Die Regelung zur „Marktintegration von Speichern und Ladepunkten“ (MiSpeL) wird voraussichtlich Mitte 2026 in Kraft treten. Sie ermöglicht erstmals Mischstromspeicher in Co-Location: Ein BESS kann dann sowohl Strom aus der angeschlossenen EE-Anlage als auch Netzstrom laden, ohne die EEG-Förderfähigkeit des grünen Anteils zu verlieren. Die Abgrenzung erfolgt über ein 15-Minuten-Messkonzept.
BESS als Investment: Chancen und Risiken
Für Investoren stellt ein BESS eine grundsätzlich andere Anlageklasse dar als ein klassisches PV-Direktinvestment. Während die Erlöse einer PV-Anlage primär auf der EEG-Vergütung oder langfristigen PPAs basieren und damit weitgehend planbar sind, monetarisiert ein BESS Marktflexibilität – mit entsprechend höherer Ertragsvolatilität, aber auch höherem Erlöspotenzial.
✅ Chancen eines BESS-Investments
- Attraktive Renditen durch Arbitrage und Regelenergie
- Strukturelles Marktwachstum: Von 3,7 GWh auf 32+ GW Zielkapazität
- Steigende Strompreisvolatilität durch EE-Ausbau als Erlöstreiber
- Steuerliche Vorteile: IAB und Sonder-AfA grundsätzlich nutzbar
- Regulatorische Rückendeckung: Privilegierung, Netzentgeltbefreiung, MiSpeL
- Portfoliodiversifikation: Erlösprofil unkorreliert zu PV-/Winderlösen
- Kurze Bauzeiten: Typischerweise drei bis sechs Monate nach Genehmigung
⚠️ Risiken eines BESS-Investments
- Erlöse sind marktabhängig – bei sinkender Volatilität fallen Spreads
- Kannibalisierungseffekt: Mehr Speicher im Netz drücken Einzelerlöse
- Netzanschluss-Engpässe verzögern Inbetriebnahme und Projektstart
- Technologierisiko: Degradation, Garantiebedingungen, Zyklusbelastung
- Vermarktungsqualität entscheidend – nicht jeder Algorithmus liefert gleich
- Regulatorische Änderungen können Rahmenbedingungen verschieben
- Kein EEG-Sicherheitsnetz bei reinen Stand-Alone- oder Graustromspeichern
Die Kombination aus einem PV-Direktinvestment mit EEG-abgesicherter Erlösbasis und einem BESS mit volatilitätsgetriebenen Markterlösen – etwa in Form eines PV-plus-Speicher-Projekts – schafft eine diversifizierte Ertragsstruktur, die planbare und marktbasierte Komponenten verbindet.
Worauf Investoren bei einem BESS-Investment achten sollten
Nicht jedes BESS-Projekt ist gleich strukturiert. Fünf Prüfpunkte, die bei der Bewertung eines Batteriespeicher-Investments im Vordergrund stehen sollten:
1. Vermarktungsstrategie und Track Record: Ein BESS verdient sein Geld an den Strommärkten – die Qualität des Vermarkters ist damit der wichtigste Renditetreiber. Entscheidend sind: Zugang zu allen relevanten Märkten (Day-Ahead, Intraday Continuous, FCR, aFRR), ein nachweisbarer Track Record unter realen Marktbedingungen und eine algorithmische Cross-Market-Optimierung. Backtesting-Ergebnisse allein sind kein ausreichender Beleg.
2. Netzanschluss und Standort: Die Verfügbarkeit eines gesicherten Netzanschlusses ist die kritischste Projektvoraussetzung. Bei den Netzbetreibern stauen sich hunderte Anträge, die Wartezeiten können erheblich sein. Vor jeder Investitionsentscheidung sollte eine verbindliche Netzanschlusszusage vorliegen – nicht nur eine Reservierung.
3. Technologie und Garantien: LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) sind der aktuelle Standard für BESS. Relevante Kennzahlen sind die garantierte Zyklenzahl (marktüblich: 8.000 bis 15.000 Vollzyklen), die kalendarische Lebensdauer (typisch: 15 bis 20 Jahre) und die vertraglich zugesicherte Restkapazität nach Garantieablauf. Die höhere Zyklusbelastung von Speichern im Multi-Market-Betrieb (typischerweise zwei Vollzyklen pro Tag) muss in der Kalkulation berücksichtigt werden.
4. Steuerliche Struktur: Batteriespeicher-Direktinvestments können unter bestimmten Voraussetzungen vom Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG profitieren. Der IAB ermöglicht es, bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten bereits vor der Investition steuerlich geltend zu machen. Zusätzlich kann die Sonderabschreibung genutzt werden. Die steuerliche Einordnung hängt vom konkreten Investitionsmodell ab und sollte individuell mit dem Steuerberater geprüft werden.
5. Erlösmodellierung und Szenarien: Die Erlöse der Marktjahre 2024/25 basieren auf einer Phase hoher Strompreisvolatilität. Wie sich die Erlöse entwickeln, wenn der Speicherzubau zunimmt und mehr Flexibilität im Markt verfügbar ist, ist eine zentrale Prognosefrage. Seriöse Projektentwickler legen neben einem optimistischen auch ein konservatives Szenario vor, das niedrigere Spreads und einen möglichen Preisdruck durch Kannibalisierungseffekte abbildet.
Zusammengefasst: BESS sind eine eigenständige Infrastruktur-Anlageklasse, die Flexibilität monetarisiert. Ihr Erlöspotenzial ist hoch, aber marktabhängig. Im Portfolio können sie klassische PV-Direktinvestments ergänzen – als volatilitätsgetriebene Renditekomponente neben der planbaren EEG-Basis. Die Auswahl des richtigen Projekts erfordert eine sorgfältige Prüfung von Vermarkter, Netzanschluss, Technologie und Erlösmodellierung.
- Fraunhofer ISE: Öffentliche Stromerzeugung 2025 – Großbatteriespeicher von 2,3 auf 3,7 GWh (Januar 2026)
- Modo Energy: Germany BESS Buildout Report – 2,4 GW installiert, 842 MW Zubau 2025 (Februar 2026)
- pv magazine: Über 2,2 Mio. Speicher, 25,5 GWh Gesamtkapazität in Deutschland (Januar 2026)
- BDEW: Batteriegroßspeicher füllen eine Lücke in der Energiewende – 650 Anträge bei ÜNB (2025)
- BSW-Solar: Aufstieg der Großspeicher – NEP-Ziel 32 GW bis 2037 (März 2025)
- Regelleistung Online: Update Speichererlöse durch Arbitrage im Stromhandel (2025)
- Interconnector/EnBW: Multi-Market-Vermarktung von Batteriespeichern (2025)
- ContextCrew Neue Energie: Großbatteriespeicher für die Energiewende im Blickpunkt – 720 GW Netzanschlussanfragen (Februar 2026)
Häufige Fragen zu BESS
Was bedeutet BESS?
Wie verdient ein BESS Geld?
Wie groß ist der BESS-Markt in Deutschland?
Was ist der Unterschied zwischen Stand-Alone-BESS und Co-Location?
Kann man den IAB für ein BESS-Investment nutzen?
Welche Risiken hat ein BESS-Investment?
Welche Batterietechnologie wird bei BESS eingesetzt?
Lässt sich ein BESS mit einem PV-Investment kombinieren?
Thomas Haberl
Thomas Haberl begleitete als Mitgründer und Sales Director der DRACOON GmbH den gesamten Zyklus von der Gründung bis zum erfolgreichen Exit an ein US-Softwareunternehmen im Jahr 2023. Unter seiner Führung skalierte das Unternehmen auf über 100 Mitarbeiter und wurde Marktführer für sicheres File-Sharing in DACH-Raum. Heute transferiert er diese Expertise in die Strategieberatung und Geschäftsführung der OHANA Invest GmbH.